Integration ist für unsere Schulgemeinde eine gelebte Willkommenskultur und demokratisches Handeln zugleich. 

Wir verstehen Integration als einen wechselseitigen Prozess, der uns alle angeht: Alteingesessene, Hinzugezogene, Migranten ebenso wie Zuwanderer. Viele Menschen, die schon lange im Ruhrgebiet leben und arbeiten, finden irgendwo in ihrer Lebensgeschichte einen „Migrationshintergrund“.

Diese Einzigartigkeit, verbunden mit Vielfalt, ist eine Chance und eine Herausforderung für ein Zusammenleben, geprägt von Offenheit, von gegenseitigem Respekt, von Vertrauen und von Verantwortung füreinander. Jeder soll am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen können. Die freiheitlich demokratische Grundordnung in der Fassung unseres Grundgesetzes gilt für uns alle und muss gemeinsam gelebt werden.

Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche haben somit, wie alle anderen auch die in Deutschland leben, ein Recht auf Schulbildung, Bereitstellung eines Schulplatzes und Sprachbildung zur Fortführung ihrer Schullaufbahn. Basis für die Aufnahme und Beschulung der Kinder- und Jugendlicher an unserer Schule ist das Rahmenkonzept zur schulischen Integration von Flüchtlings- und Zuwandererkindern und Jugendlichen der Bezirksregierung Münster und der Grundlagenerlass des Schulministeriums vom Juni 2016.

Viele geflüchtete und zugewanderte Kinder und Jugendliche warten nach wie vor in Castrop-Rauxel auf einen Schulplatz an einer weiterführenden Schule. Die sprachliche Erstförderung in einer Internationalen Sprachförderklasse (IFÖ-Klasse) eignet sich besonders, gegenüber der sofortigen Integration in Regelklassen, zur Aufnahme einer großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen und ist mit der Zuweisung zusätzlicher Lehrerstellen verbunden. Über die Einrichtung und die Aufnahme entscheiden Regionalkonferenzen, bestehend aus Vertretern der Bezirksregierung, des Kreises, der Stadt und der Schulleitung. Auf Antrag des Schulträgers sind auch Mehrklassenbildungen, bezogen auf einzelne Jahrgänge, möglich.

Das Ziel der IFÖ-Klassen ist eine frühzeitige Integration in Regelklassen, sobald die sprachlichen Fähigkeiten in deutscher Sprache eine Mitarbeit dort zulassen. Dies kann zunächst auch sukzessive über einzelne Fächer im Regelunterricht erfolgen (z. B. Kunst, Musik, Sport etc.).

Die Erstförderung erstreckt sich maximal über zwei Jahre mit mind. 12 Wochenstunden intensivem Deutschunterricht als Zweitsprache. Der weitere erteilte sprachsensible Fachunterricht entspricht dem Fächerkanon der Schule. Gesellschaftslehre ebenso wie das Kennenlernen von Klassen- und Schulregeln sowie Rechtskunde stehen jeweils am Anfang im Mittelpunkt des Fachunterrichts. Unterricht wird im Teamteaching mit Klassenlehrer *in und Fachlehrer*in im Klassenverband erteilt, in dem unterschiedliche Formen der inneren und äußeren Differenzierung zum Tragen kommen.

Die Klassenkonferenz der IFÖ-Klasse entscheidet in Absprache mit den Abteilungsleitungen und Klassenlehrer*innen der Regelklassen über die Anschlussförderung und Integration in Regelklassen. Die Schülerinnen und Schüler der IFÖ-Klasse erhalten Zeugnisse ohne Noten. Für die Förderplanung ist eine Beschreibung des Lernstandes und der Lernentwicklung notwendig.

An der WBG ist seit April 2016 eine IFÖ- Klasse jahrgangsübergreifend eingerichtet. Im Schuljahr 2017/18 kam noch eine weitere Klasse im 9. Jahrgang hinzu. Die Schülerinnen und Schüler kommen hauptsächlich aus dem Irak, Syrien, Albanien, Italien, Spanien und Rumänien zu uns. Einige ältere Schüler waren unbegleitet. Einige Schülerinnen und Schüler konnten auch sofort in altersentsprechende Regelklassen integriert werden.

Der Schulträger, viele Sponsoren und der Förderverein der WBG unterstützen die Schülerinnen und Schüler nach wie vor mit Schul- und Bedarfsmaterialien. Der Klassenraum ist so wie alle Klassenräume ausgestattet, ein Nebenraum wird zur Differenzierung und Entspannung genutzt. Lehr- und Lernmittel sind bereits vorhanden und werden je nach individuellem Förderbedarf stetig erweitert. Einzelexemplare werden für anfallenden Vertretungsunterricht im Kopierraum für das Gesamtkollegium bereitgestellt. Gängige Eltern- und Schülerinformationsbriefe sind in allen Sprachen im Sekretariat und bei der Klassen- und Abteilungsleitung digital vorhanden.

Ebenso ist die Teilnahme an Schulveranstaltungen, Unterricht an außerschulischen Lernorten, Schulausflügen ausdrücklich erwünscht. In Zusammenarbeit mit unserer Schulsozialarbeiterin, unseren Kooperationspartnern wie zum Beispiel dem WLT (Westfälisches Landestheater), dem Jugendamt, der Martin-Luther-King-Schule, konnten interkulturelle Theater- und Filmprojekte initiiert, finanziert und durchgeführt werden, die für eine breite Akzeptanz der aufgenommenen Kinder und Jugendlichen in der Schulgemeinde sorgten.

Darüber hinaus engagieren sich viele Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 8, 9, und 10 als Paten und begleiten die Kinder und Jugendlichen auch außerschulisch in Sportvereine, in Jugendeinrichtungen oder bei anderen Freizeitaktivitäten. Oberstufenschüler setzten sich für ihre Mitschülerinnen und –schüler, die von Abschiebung bedroht waren, motiviert und politisch engagiert ein.

Dieses Integrationskonzept hat sich, unserer Meinung nach, im Vergleich mit der sofortigen Integration in Regelklassen, erfolgreich bewährt. Eine hohe Anzahl Kinder und Jugendlicher aus der ehemaligen IFÖ-Klasse haben inzwischen mittlere Schulabschlüsse oder sogar die Qualifikation für die Oberstufe bei uns an der WBG erworben.